Sommerempfang am 15. Juli 2021

Talkrunde: “Medienkompetenz – zwischen Hype und Auftrag”

Am 15. Juli 2021 luden wir zum Interaktiv-Sommerempfang in die Muffathalle München, um gemeinsam mit Stadträt*innen aus München über aktuelle medienpädagogische und bildungspolitische Entwicklungen zu diskutieren. “Medienkompetenz zwischen Hype und Auftrag” lautete der Titel der Talkrunde, in deren Verlauf von allen Beteiligten bestätigt wurde, dass die digitalen Angebote in München weiter ausgebaut werden müssen und dass der Kontakt zwischen dem Stadtrat und dem Netzwerk vertieft werden soll.

Zu Beginn der Diskussion wurden die anwesenden Politiker*innen nach ihren Ideen für die zukünftige Entwicklung der Medienkompetenzförderung befragt. Sebastian Weisenburger (Fraktion Die Grünen – Rosa Liste) forderte, die Digitalisierung müsse in Politik und Stadtverwaltung positiv betrachtet werden und betonte, dass wir uns endlich „aus dem Zeitalter der Faxgeräte“ verabschieden müssen. Beatrix Burkhardt (CSU-Fraktion) sieht noch Entwicklungspotenziale bei den vorhandenen Medienstrukturen, die z.B. in Schulen nicht voll genutzt werden, und betonte die Notwendigkeit der Vernetzung von Schulen und außerschulischen Partnern, welche sich beispielsweise im kooperativen Ganztag bewähre. Lena Odell (SPD/Volt-Fraktion) fordert mehr finanzielle Unterstützung für den Bildungsbereich und in digitalen Fragen ein komplettes „Umdenken im ganzen Land“. Thomas Lechner (Fraktion Die Linke/Die Partei) betrachtet Digitalisierung auch „als Infrastrukturpolitik“ und verwies in diesem Zusammenhang auf die schwierige Lage sozial schwächerer Menschen. Prof. Jörg Hoffmann (FDP-Bayernpartei-Fraktion) forderte eine bessere Verzahnung der bestehenden Strukturen und eine intensivere Kooperation der städtischen Referate in München.

Auf die Frage, wie diese Ideen konkret verwirklicht und vorangetrieben werden könnten, schlug Lechner die Einbindung technikaffiner junger Leute für z.B. Softwarefragen vor, während die Fachkräfte medienpädagogische Inhalte vermitteln könnten. Beatrix Burkhardt findet, Medienkompetenz müsse in der Lehrkräfteausbildung stärker verankert werden, zudem sollten schulische und außerschulische Einrichtungen enger verzahnt werden. Jörg Hoffmann verwies auf die Problematik von z.B. jugendgefährdenden Inhalten und Fake News und schlug hierzu mehr Aufklärung vor, um „unsere Demokratie zu schützen“. Sebastian Weisenburger betonte, dass Bildung „mehr ist als Schule“ und dass die medienpädagogische Aufklärung bereits im Grundschulalter beginnen müsse. Lena Odell fordert, dass Kinder bereits in der Kita in partizipative Medienprojekte einbezogen und auch die Eltern geschult werden müssten.

Im weiteren Verlauf der Diskussion wurde von Beatrix Burkhart auf die Einsparungen verwiesen, die derzeit im städtischen Haushalt nötig sind, verbunden mit der Hoffnung, dass das Thema Medienpädagogik innerhalb der Referate an Bedeutung gewinne. Thomas Lechner forderte hingegen ein Ende der Sparpolitik, da gerade in Krisenzeiten Schulden nötig seien, um akute Probleme lösen zu können. Lena Odell bedauerte, dass Kinder und Jugendliche in der Krise nicht den Stellenwert hatten, den haben sollten. Dies sei „beschämend“, auch seitens ihrer Partei, und müsse sich rasch ändern. Sebastian Weisenburger bemerkte, dass die Expert*innen im Publikum deutlich mehr Ahnung von diesem Thema haben als Politker*innen und dass daher die Fortsetzung des Dialogs nötig sei. Jörg Hoffmann schlug ein Expert*innen-Hearing für den Stadtrat zum Thema „Medienkompetenz“ mit dem Netzwerk Interaktiv vor.

In der Abschlussrunde wurde nach Wünschen der Politik an die Medienpädagogik gefragt. Hier betonten alle anwesenden Politiker*innen die Notwendigkeit vertiefender Gesprächen und regten einen „konstruktiven Austausch auf Augenhöhe“ an, wie es Lechner zusammenfasste. Diesem Wunsch wird das Netzwerk Interaktiv gerne nachkommen.

(Fotos: Sophia Kiehlmann, SIN – Studio im Netz)

Teilnehmende:

  • Sebastian Weisenburger (Fraktion Die Grünen – Rosa Liste)
  • Beatrix Burkhardt (CSU-Fraktion)
  • Lena Odell (SPD/Volt-Fraktion)
  • Thomas Lechner (Fraktion Die Linke/Die Partei)
  • Prof. Dr. Jörg Hoffmann (FDP-Bayernpartei-Fraktion)

Moderation: Björn Friedrich (SIN – Studio im Netz) und Tomasz Walter-Zapart (Medienzentrum München des JFF) für das Netzwerk Interaktiv

 

Verwandte Beiträge:

ARCHIV

Allgemeine Informationen zum Förderprogramm

Das Förderprogramm des Stadtjugendamts der LH München und des Netzwerks Interaktiv für Medienprojekte von und mit Kindern und Jugendlichen in München Mit den Fördermitteln des Stadtjugendamts werden modellhafte Medienprojekte mit Kindern

Interaktiv-Diskurswerkstatt

Wie verändert die Digitalisierung unsere Stadtgesellschaft? Das erörtern wir am 1. März gemeinsam mit Dr. Roland Poellinger, Leiter der Abteilung eServices bei der Münchner Stadtbibliothek. Die Veranstaltung ist der Auftakt

Ausschreibung Frühjahr 2023

Kooperationsprojekte-Förderprogramm Frühjahrsausschreibung 2023 Bis 01. März 2023 Fördermittel für Medien- und Digitalprojekte mit und von Kindern und Jugendlichen beantragen: Bis zu 4.000 Euro Förderung (keine Eigenmittel benötigt) Anregungen für Projektideen,

Digitale Spiele. Mehr als Pop & Kommerz?

Als Gäste im nächsten Mediensalon begrüßen wir Hendrik Lesser, CEO von remote control productions, und den BR-Journalisten Christian Schiffer. Mit ihnen werden wir die Frage erörtern, welchen Stellenwert Games in

Scroll to Top