Welche Rolle werden schulische Medienbildung und außerschulische Medienpädagogik in den nächsten Jahren in München spielen? Diese Frage diskutierten wir mit Vertreter*innen der großen Stadtratsfraktionen im Rahmen des diesjährigen Interaktiv-Sommerempfangs am 30. Juni 2026 im „campus42“ München.
Lorenz Stradtner (Die Grünen – Rosa Liste Stadtratsfraktion) verwies auf die aktuellen Sparzwänge, die in diesen schwierigen Zeiten die Spielräume der Kommunalpolitik enorm einschränken. Er zeigte sich angesichts der Entwicklungen in den letzten Jahren erleichtert über die bereits umgesetzten Projekte und hofft, dass trotz der nun anstehenden Kürzungen eine langfristig erfreuliche Perspektive erarbeitet werden kann.
Lena Odell (SPD-Stadtratsfraktion) deutete die Eröffnung des „campus42“ als ein gutes Signal für die Entwicklung der Medienkompetenzförderung in München. Angesichts der Haushaltskrise sind kreative Lösungen gefragt, die Stadt bemüht sich stets um maßvolle Kürzungen und einen engen Austausch mit den Trägern, etwa im Rahmen des Zukunftssicherungsprozesses des Sozialreferats. Gemeinsam müsse überlegt werden, bei welchen Angeboten es Sparpotenzial gebe und wie eine solidarische Lösung aussehen kann. Neue Projekte haben vorerst leider wenig Aussicht auf Regelförderung.
Prof. Dr. Jörg Hoffmann (FDP FREIE WÄHLER Stadtratsfraktion) betonte, dass kein kommunaler Politikbereich gerne Einsparungen vornimmt. Der städtische Haushalt sei derzeit jedoch in einer Schieflage, der keine Wahl mehr lasse, zumal die Regierung von Oberbayern den städt. Haushalt genehmigen muss. Alle Sparmaßnahmen werden jedoch im Einzelfall und stets mit Augenmaß entschieden.
Liliana Parente (Die Linke Fraktion) verwies darauf, dass Medienbildung eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung darstellt, die auch Erwachsene betrifft. Auch Eltern und pädagogische Fachkräfte benötigen praxisnahe Anregungen zur Medienerziehung, zudem ist an Kindertageseinrichtungen und Schulen der Einsatz externer Expert*innen sinnvoll, um medienpädagogische Inhalte zu vermitteln.
Um digitale Teilhabe für alle Menschen sicherzustellen, betonte Lena Odell, dass die Stadt München auch finanziell schwächere Bürger*innen im Blick habe und entsprechende Unterstützungsangebote schaffen wird. Auch die Bereitstellung von Leihgeräten sei ein Bestandteil, um allen Kindern den Umgang mit digitalen Medien näherzubringen.
Lorenz Stradtner verwies darauf, dass Digitalisierung auch in Verwaltungsprozessen eine große Rolle spielen solle. Hier stelle auch die Weiterentwicklung von Tools mit Einsatz von „Künstlicher Intelligenz“ einen wichtigen Baustein dar, um simple Prozesse effizienter zu gestalten. München nahm in den letzten Jahren als „Smart City“ bundesweit eine führende Position ein und möchte diese auch beibehalten.
Liliana Parente zeigte sich auch als Fan von effizienter Steuerung und schnellen Prozessen, kritisierte jedoch, dass das Kernproblem oft in der Komplexität der Bürokratie liege. Zudem müsse berücksichtigt werden, dass viele gesellschaftliche Schichten mit Digitalen Lösungen nicht problemlos umgehen können und dass auch negative Aspekte der Digitalisierung kritisch hinterfragt werden müssten, z.B. der Datenschutz und die Frage nach Ressourcenverbrauch.
Zu aktuellen kommunalpolitischen Entwicklungen erläuterte Jörg Hoffmann, dass die Wahl von Marek Wiechers als neuer Kulturreferent bevorsteht. Wiechers soll für nur zwei (statt der üblichen sechs) Jahre gewählt werden, da die „Freien Wähler“ das Vorschlagsrecht haben und die Zusammenarbeit mit Wiechers zunächst ausloten wollen. Das IT-Referat wird 2028 neu besetzt, hierfür liegt das Vorschlagsrecht bei der FDP, die jedoch noch keine konkreten Namen nennen möchte. Bei den Referaten für Soziales sowie für Bildung & Sport, die ebenfalls am Netzwerk „Interaktiv“ beteiligt sind, gibt es keine Änderungen.
Hintergrund:
Der Sommerempfang wurde veranstaltet von „Interaktiv – Münchner Netzwerk Medienkompetenz“ und dem „campus42“ (Pädagogisches Institut, Zentrum für Kommunales Bildungsmanagement der Landeshauptstadt München). Das Event war eingebettet in die Eröffnungswoche des campus42, dem neuen Medien-Erfahrungsraum der LH München.
Moderiert wurde die Runde von Dr. Sonja Moser (campus42), Björn Friedrich (SIN – Studio im Netz) und Sebastian Ring (Medienzentrum München). Im Anschluss an die Talkrunde boten wir allen Interessierten die Gelegenheit zum Austausch, zur Begegnung und Vernetzung – und für Tanzfreudige gab es im campus42 eine „Silent Disco“.



