Frühjahrs-Ausschreibung 2026 – Juryentscheid

7 Projekte werden unterstützt

Am 04. März trat die Jury zusammen, um über die Förderung der diesjährigen Frühjahrsausschreibung 2026 zu entscheiden. In einer Vielzahl von Bewerbungen präsentierten medienpädagogische Akteur*innen ihre Projekte und Konzepte zum Thema „Digitale Identität“. Schon vor der Sitzung konnten sich die fünf Jurymitglieder durch eine digitale Befragung einen ersten Eindruck von den Projektideen verschaffen und diese auf die Erfüllung der Förderkriterien hin prüfen. Bei der Sitzung fiel die Entscheidung, welche Anträge eine Fördersumme von bis zu 4.000 Euro erhalten sollten. Ziel war es, Projekte auszuwählen, die sich auf kreative und innovative Weise mit dem Thema digitale Gemeinschaften  auseinandersetzen und gleichzeitig ein hohes Maß an Partizipation für Kinder und Jugendliche ermöglichen. Am Ende entschied die Jury, dass sieben Projekte gefördert werden.

Folgende Projekte wurden durch die fünfköpfige Jury für eine Förderung ausgewählt

GPP – Survival im Mediendschungel (Marc Haenecke): GPP e.V. betreibt in München betreute WGs für über 90 Jugendliche, die nicht in ihren Familien leben können oder unbegleitete minderjährige Geflüchtete sind. In der Arbeit mit ihnen zeigt sich, dass der selbstbestimmte Umgang mit (sozialen) Medien zunehmend schwieriger wird. Oft fehlen Handwerkszeug und Bewusstsein, um sich online verlässlich und divers zu informieren. Ziel ist es, zusammen mit ihnen Kompetenzen zu entwickeln, mit denen sie sicher uns selbstbestimmt im digitalen Raum bewegen können. Da unsere Bewohner*innen wg. Arbeit und Schule nicht zu motivieren sind, an externen Angeboten teilzunehmen, braucht es aufsuchende Konzepte. Allerdings gibt so gut wie keine Anbieter, die Medienbildungsworkshops direkt in den Jugendhilfeeinrichtungen anbieten. Diese Lücke möchten wir schließen und ein Modellprojekt mit Medienkompetenz-Workshops entwickeln, die direkt in den WGs stattfinden. Durch die direkte Beteiligung der Jugendlichen schon bei der Entwicklung stellen wir sicher, dass das Angebot ihre Bedürfnisse trifft und sie aktiv und partizipativ einbindet.

B°2 – Bilder & Beats (Leonharda Hatmann):Das Projekt „B2 – Bilder & Beats“ (01 .- 04.09.26 jeweils 9-16Uhr) untersucht kreative Formen digitaler Gemeinschaftsbildung durch die Verbindung von Musik, Visuals und Tanz. In einem Ferienkurs erarbeiten junge Menschen gemeinsam audiovisuelle Inhalte, indem sie filmen, animieren, musizieren und mit digitalen sowie analogen künstlerischen Mitteln experimentieren. Die Teilnehmenden übernehmen aktiv Rollen als DJ/DJane und VJ/VJane und entwickeln kollaborativ Musik- und Visualwerke. Ein ausgewahltes Werk wird  im Folgeworkshop „B3 – Bilder & Beats meets Body“ im September choreografisch umgesetzt. Dadurch entstehen gemeinschaftliche Arbeitsprozesse zwischen verschiedenen Gruppen und kreativen Disziplinen.

Wer darf sprechen? – Gender, Queerness & KI im digitalen Alltag (Olivia Liesner): Gemeinsam mit einer Gruppe von Student*innen der AdBK (Seminar „Fehler in der Kunst“, SS26) erforschen die jugendlichen Teilnehmer*innen, wie digitale Medien und Künstliche Intelligenz Geschlechterbilder und queere Identitäten prägen, reproduzieren oder verzerren. Sie analysieren, an welchen Stellen Vorurteile, Klischees oder Unsichtbarkeit im algorithmischen Raum entstehen und diskutieren, welche gesellschaftlichen Strukturen sich darin spiegeln. Darauf aufbauend entwickeln sie eigene Strategien, um KI bewusster, gerechter und „queerer“ zu nutzen oder kreativ umzudeuten. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur technische Programmierkenntnisse, sondern kritisches Denken, gemeinsames Reflektieren und experimentelles, künstlerisches Arbeiten.nErgebnis: Die Jugendlichen realisieren ein eigenes kleines digitales Produkt (z. B. Story, Meme, Prompt, Mini-Video) oder Zine. Zusätzlich werden durch KI erzeugte fehlerhafte oder vorurteilsbehaftete Bilder künstlerisch weiterverarbeitet – etwa im Rahmen eines Kunstprojekts, einer Intervention oder eines performativen Rituals an der Akademie der Bildenden Künste München.

Switching Frames (Anna Reimnitz): Die Sammlung Goetz, ein staatliches Museum mit einer der größten deutschen Sammlungen im Bereich der Medienkunst, zeigt im Frühjahr 2026 die Arbeiten der Fotografin Cindy Sherman. Diese Ausstellung mochte die Sammlung Goetz gemeinsam mit Refugio in einem Workshop in den Osterferien erarbeiten. Zielgruppe des Workshops sind jugendliche Geflüchtete, die ermutigt werden sollen Kunst mit ihren eigenen Erfahrungen in den Dialog zu setzen. Shermans Arbeiten bieten mit ihrem Fokus auf Identitat und Inszenierung zahlreiche Anschlusspunkte für Formate, die es Jugendlichen erlauben mit Formen des Selbstausdrucks, bspw. durch Kleidung und Make-up zu experimentieren. Dabei ist das Spiel mit Kostümen der erste Schritt eines Workshops, der weiter einen Schwerpunkt auf die Reflexion medialer Möglichkeiten der Inszenierung legt. Ein Fokus auf Fotografie, digitale und Kl-gestützte Bildbearbeitungsmittel als Mittel des Selbstausdrucks insbesondere in sozialen Medien erlaubt es, über digitale Gemeinschaften und das Problem der Zugehörigkeit in verschiedenen Räumen nachzudenken. Das Arbeiten mit Selbstbezug sowie der Dialog zwischen Kunst und alltäglichen digitalen Medien soll ermutigen, das Museum als inklusiven Raum wahrzunehmen.

Layers of Laim  (Susanne Mi- Son Quester):In einem 4-teiligen Workshop beschäftigen sich die Schüleri*nnen der Klasse 8cM der Mittelschule Schrobenhausener Straße mit der Entwicklung und der Geschichte des Stadtteils Laim. Am Beispiel eines exemplarischen Ortes im Viertel erforschen die Jugendlichen in fotografischen, kartografischen, audiografischen und literarischen Übungen die historischen Schichten des Stadtteils und entwerfen ihre eigenen Zukunftsvisionen. Die Ergebnisse des Workshops werden in einem experimentellen Video zusammengeführt und im Rahmen einer multimedialen Ausstellung präsentiert.

Mutwerk Digital Resilience Lab (Fabian Eckert): Das Projekt „Mutwerk Digital Resilience Lab“ stärkt mentale Gesundheit, emotionale Kompetenz und demokratische Handlungssicherheit von Schüler:innen (SuS) im Umgang mit digitalen Gemeinschaften. Soziale Medien, Klassenchats und Gaming-Communities sind zentrale Orte von Zugehörigkeit, zugleich aber emotional aufgeladen und konfliktanfällig. Jugendliche erleben dort Stress, Vergleichsdruck und Polarisierung. Ziel ist es, emotionale Reaktionen bewusst wahrzunehmen, Trigger und Gruppendynamiken zu erkennen und konkrete Strategien zur Emotionsregulation zu entwickeln. Mit der partizipativen Mutwerk-Emotionen-Matrix werden emotionale Muster sichtbar und in demokratische Handlungsmöglichkeiten übersetzt. In vier Workshoptagen verbinden wir Resilienzförderung mit Medienpädagogik. Die Jugendlichen entwickeln einen schulbezogenen „Community-Kompass für mentale Stärke im Netz“ sowie kreative  Medienprodukte. Das modellhafte, evaluierbare Format ist auf weitere Münchner Schulen übertragbar.

Digitale Gemeinschaft aktiv gestalten – Jugendredaktion auf TikTok (Dejan Kostic): Die Freizeitstätte KistE ist ein analoges Sozialraumprojekt, das von einem Team aus sieben Personen betreut wird. Ein elementarer Aspekt unseres Leitbildes besteht darin, dass wir jeglicher Art und Form von Rassismus, Antisemitismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in Wort und Schrift und Tat entgegen treten. Wir tolerieren keine Art von Demokratifeindlichkeit, Sexismus oder LGBTIQ*-Diskriminierung. Das Projekt verbindet analogen Treffpunkt und digitalen Raum systematisch. Wir gründen einen TikTok-Kanal, um junge Menschen dazu zu ermutigen, sich aktiv, kritisch und inklusiv in die Gestaltung digitaler Gemeinschaften einzubringen und sich politisch zu bilden. Dabei werden Themen wie Fake-News, Rassismus, Diskrimminierung behandelt. In der heutigen Zeit ist Social Media, insbesondere TikTok, ein wesentlicher Bestandteil der Lebenswelt von Jugendlichen. Dies führt zu einer neuen Form der sozialen Interaktion und Kommunikation, die auch im Kontext der tertiären Sozialisation eine bedeutende Rolle spielt. Unser Ziel ist die Gestaltung einer Jugendredaktion, um politische Bildung, Medienkompetenz und Medienkreativität zu fördern. Die Jugendredaktion wird durch eine pädagogische Fachkraft begleitet, um den Kanal zu gestalten und zu produzieren. Die Fachkraft übernimmt dabei ausschließlich eine passive begleitende Funktion. Partizipativ wird dies von den Jugendlichen übernommen.

Schwerpunktthema der Frühjahrsausschreibung 2026: „Digitale Gemeinschaften“

Die Digitalität hat die Art und Weise, wie wir Beziehungen pflegen, uns organisieren und Zugehörigkeit erleben, grundlegend verändert. Für junge Menschen sind digitale Räume – von Online-Spielen über soziale Netzwerke bis hin zu themenspezifischen Foren oder Chatbots – zentrale Orte der Gemeinschaftsbildung, an denen neue Formen der Solidarität, des kreativen Austauschs und der Partizipation entstehen. Gleichzeitig verschwimmt das Verhältnis zwischen analogen und digitalen Räumen zunehmend.

Diese Entwicklungen bringen jedoch auch neue Konfliktfelder und Formen der Ausgrenzung mit sich. Insbesondere Radikalisierungsprozesse in Online-Räumen verdeutlichen die Notwendigkeit, junge Menschen für entsprechende Mechanismen zu sensibilisieren und einen reflektierten Umgang damit zu stärken.

In unserer Frühjahrsausschreibung suchen wir Projekte mit kreativen Ansätzen, die gemeinsam mit Jugendlichen und Kindern ein tiefes Verständnis für ihre digitale Gemeinschaft entwickeln und praktische Anwendungen in Bildung und Kulturarbeit finden. 

Vergabeverfahren

Mit den Fördermitteln werden modellhafte Projekte mit Kindern und Jugendlichen im Bereich digitale Medien unterstützt. Klassische Foto- und Videoarbeit wird nicht gefördert, vielmehr sind Apps und Tools gefragt, mit denen Inhalte medial erstellt und online dargestellt werden können. Das Förderspektrum reicht von Tagesveranstaltungen bis zu längeren Projekten. Die Höchstfördersumme für einzelne Projekte beträgt 4.000 Euro. Das Einbringen von Eigenmitteln ist erwünscht, aber nicht notwendig. Infrastrukturmaßnahmen, die einer Regelförderung bedürfen, können nicht gefördert werden. Ebenso können keine Technikanschaffungen und Ausgaben für Catering oder Aufmerksamkeiten gefördert werden. Maßgabe für die Förderung ist eine Online-Dokumentation der Projekte sowie eine Abschlusspräsentation im Rahmen des Interaktiv-Medienherbstes 2026.

Förderkriterien

Die Projektauswahl trifft eine unabhängige Jury. Diese ist besetzt mit einer Vertretung des Stadtjugendamts, der jeweils nicht beteiligten Organisationsstelle, Jugendlichen und externen Fachkräften. Mit dem Förderprogramm verfolgen wir folgende Ziele:

  • Die Projekte fördern die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen, erproben neue Formen des Medieneinsatzes in der Bildungsarbeit und/oder regen Kinder und Jugendliche zu einem kreativen und kritischen Umgang mit Medien an.
  • Die Zielgruppe der Projekte sind Kinder und Jugendliche, wobei diejenigen, denen der Zugang zu Bildung und zu Medien gesellschaftlich erschwert ist, besonders berücksichtigt werden.
  • Das Einbeziehen relevanter sozialer Kontextgruppen (Familien, Peergruppen, …) in die Projekte ist wünschenswert.
  • Die Projekte sind im Sinne einer geschlechtssensiblen Medienpädagogik konzipiert.
  • Die Projekte sind modellhaft und werden mit Kindern und Jugendlichen entwickelt.
  • Die Projekte fördern die Partizipation von Kindern und Jugendlichen.
  • Die Projekte bilden die Lebens- und Erfahrungswelten von Kindern und Jugendlichen ab.

Das Kooperationsprojekte-Förderprogramm wird vom Münchner Netzwerk Interaktiv im Auftrag des Stadtjugendamts der LH München koordiniert:

 Organisationsstelle: Medienzentrum München des JFF 

Ansprechpartnerinnen: Steff Brosz, Layla Haas

TEL: +49 89 68 989 0

E-MAIL: interaktiv@jff.de

www.interaktiv-muc.de

www.kooperationsprojekte-muc.de  

Die Jury der diesjährigen Frühjahrsausschreibung 2026  bestand aus:  

  • Harald Grinzinger – Stadtjugendamt (Jugendschutz)
  • Björn Friedrich – SIN – Studio im Netz
  • Gundula Iblher – Koordinierungsstelle Kulturelle Bildung
  • Johanna Beier  – Pädagogisches Institut- Zentrum für Kommunales Bildungsmanagement
  • Sabine Lerche – MZM München
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