Frühjahrsempfang

Digitale Bildung 2020

Das Münchner Netzwerk Medienkompetenz „Interaktiv“ lud am 17. Mai 2017 zum Frühjahrsempfang und einer Diskussionsrunde über „Digitale Bildung 2020“ in das Referat für Bildung und Sport / Pädagogisches Institut München.

Hintergrund der Diskussion war, dass derzeit auch auf politischer Ebene engagiert über die Ausgestaltung von „Digitaler Bildung“ in Deutschland debattiert wird. Anlässlich der bevorstehenden Bundestagswahl haben wir Vertreter*innen der großen politischen Parteien eingeladen, um den unterschiedlichen Konzepten und Visionen auf den Zahn zu fühlen.
Wir diskutierten mit Dr. Bernhard Goodwin, SPD (Bundestagskandidat im Wahlkreis München-West/Mitte), Ates Gürpinar, Die Linke (Bundestagskandidat im Münchner Norden und Landessprecher der bayerischen Linken), Dr. Lukas Köhler, FDP (Bundestagskandidat im Wahlkreis München-West/Mitte und Landesvorsitzender der JuLis) und Verena Osgyan, Bündnis 90/Die Grünen (MdL und Sprecherin für Hochschule, Forschung, Netzpolitik, Frauen und Gleichstellung). Von der CSU konnte aus zeitlichen Gründen niemand an der Runde teilnehmen.

Die Teilnehmenden waren sich einig darin, dass die Digitalisierung der Gesellschaft wie auch der Bildung zügig voranschreitet und die Politik daher rasch die Weichen für eine sinnvolle Realisierung von Medienbildung stellen muss. So konstatierte beispielsweise Lukas Köhler, dass das Digitalste an der Schule derzeit bedauerlicherweise „die Pausen“ seien, was Verena Osgyan mit dem Hinweis ergänzte, dass diese Mediennutzung „eigentlich illegal“ sei.

Mehr Investitionen in die mediale Ausstattung des Bildungsbereichs wurden von allen Diskutierenden als nötig angesehen. Fraglich war jedoch, ob diese Anstrengungen allein durch die öffentliche Hand aufgebracht werden können oder ob Unterstützung beispielsweise durch Technik- und Medienkonzerne eine geeignete Lösung sind. Sonderkonditionen für die Bildung seien begrüßenswert, jedoch wies Bernhard Goodwin darauf hin, dass eine inhaltliche Einflussnahme vermieden werden müsse. Ates Gürpinar betonte zudem das soziale Ungleichgewicht in unserer Gesellschaft und die Notwendigkeit, besonders finanziell schwächeren Familien eine Teilhabe an den medialen Angeboten zu ermöglichen.

Unterschiedliche Auffassungen gab es auch bei der Diskussion um die Verantwortung der Großkonzerne, beispielsweise bei der Verbreitung von Fake-News oder Hassbotschaften. Verena Osgyan forderte hier ein aktiveres Engagement staatlicher Behörden und ein konsequenteres Eingreifen bei Hass- und Falschnachrichten. Bernhard Goodwin hielt dem entgegen, dass die Unterscheidung von Wahrheit und Täuschung feinfühlig behandelt werden müsse, beispielsweise im Fall von Satire, doch auch er forderte Korrekturmöglichkeiten bei Falschaussagen.

Da durch eine Mediennutzung stets auch Datenspuren hinterlassen werden, wurde auch die Frage nach Datenschutz diskutiert. Lukas Köhler sah es als legitim an, dass die Medienkonzerne Userdaten verwenden, da wir als Nutzer selbst entscheiden können, welche Services wir nutzen möchten. Die anderen Parteien widersprachen hier vehement und verwiesen u.a. auf den Gruppenzwang, der in unserer Gesellschaft gerade auf junge Personen einwirkt.

Einig waren sich wiederum alle darin, dass die Förderung der Medienkompetenz auf allen Ebenen bedeutend ist. Für den schulischen Bereich forderte Ates Gürpinar eine allgemeine Verbesserung der derzeitigen Situation, er plädierte für kleinere Klassen und mehr Lehrkräfte. Auch in anderen Bereichen sei es wichtig, den verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu fördern und eine digitale Souveränität zu ermöglichen – von der Kita bis zur Rente.

Moderiert wurde die Runde von Hans-Jürgen Palme und Björn Friedrich (Studio im Netz). Zum Abschluss der Veranstaltung fand im Innenhof des Pädagogischen Instituts ein „Meet & Greet“ mit kleinem Buffet und netten Gesprächen statt.

 

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Rückblick auf den Frühjahrsempfang 2016